Ein Beitrag von M. Sc. Psych. Jana Schneider (aktualisiert zum 28. April 2026)
Die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ist von entscheidender Bedeutung für deren individuelle Entwicklung und gesellschaftliche Teilhabe. Angesichts einer angespannten Versorgungslage – im April 2026 warten betroffene Familien in Deutschland durchschnittlich 28 Wochen auf einen Therapieplatz – rücken digital gestützte Versorgungsmodelle zunehmend in den Fokus der klinischen Psychologie.
In den vergangenen zwei Jahren wurde die telemedizinische Landschaft durch legislative Meilensteine wie das Digital-Gesetz (DigiG) und das Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) grundlegend transformiert . Die elektronische Patientenakte (ePA) ist seit Anfang 2025 als „Opt-Out“-Lösung etabliert, was eine nahtlose digitale Dokumentation ermöglicht . Doch wie steht es um die wissenschaftliche Evidenz? In diesem Artikel untersuchen wir die Wirksamkeit von Online-Therapien im Kindes- und Jugendalter auf Basis des aktuellen Forschungsstandes von April 2026.
- Rechtlicher Rahmen: Videotherapie als dauerhafte Regelleistung
- Die Rolle von Online-Therapien in der Kinder- und Jugendpsychotherapie (KJP)
- Wirksamkeit der Psychotherapie per Video bei psychischen Störungen von Kindern und Jugendlichen
- Wirksamkeit von IMI im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie
- Wirksamkeit von Serious Games in der psychotherapeutischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen
- Gruppentherapie per Video: Chancen auch im KJP-Bereich
- Systemische Therapie: Seit 2024 auch für Kinder und Jugendliche Kassenleistung
- Digitale Natives – Psychotherapie im gewohnten digitalen Umfeld
- Chancen nutzen: Kindern und Jugendlichen psychotherapeutische Unterstützung bieten, die sie verdienen
- Evidenzlage im KJP-Bereich: Lückenhaft, aber im Aufholprozess
Rechtlicher Rahmen: Videotherapie als dauerhafte Regelleistung
Online-Psychotherapie per Video ist in Deutschland kein Provisorium mehr. Was während der COVID-19-Pandemie zunächst als Ausnahmeregelung eingeführt wurde, hat sich inzwischen als fester Bestandteil der vertragsärztlichen Versorgung etabliert: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat Videosprechstunden und Videotherapie dauerhaft im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) verankert. Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten können Sitzungen per Video damit regulär mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen – ohne Sondergenehmigung und ohne zeitliche Befristung.
Für die Therapie mit Kindern und Jugendlichen bedeutet das: Auch KJP-Behandlungen per Video sind grundsätzlich abrechenbar, sofern die technischen und datenschutzrechtlichen Voraussetzungen (insbesondere DSGVO-konforme Plattformen) erfüllt sind. Dieser rechtliche Rahmen ist ein wichtiger Vertrauensanker – sowohl für Therapeutinnen und Therapeuten, die Online-Formate in ihre Praxis integrieren möchten, als auch für Eltern und Jugendliche, die wissen wollen, ob eine Videositzung denselben Status hat wie ein Präsenztermin. Die Antwort lautet: ja.
Die Rolle von Online-Therapien in der Kinder- und Jugendpsychotherapie (KJP)
Die COVID-19-Pandemie hat die Bedeutung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen weiter in den Vordergrund gerückt. Aktuelle Daten zeigen einen signifikanten Anstieg psychischer Auffälligkeiten wie erhöhter Ängstlichkeit und Depressivität bei dieser Gruppe. Dies verdeutlicht die Dringlichkeit von effektiven Therapiemöglichkeiten.
Dass der Bedarf an psychotherapeutischer Unterstützung für Kinder und Jugendliche weiter wächst, ist nicht nur durch Versorgungsstatistiken belegt – es ist auch Gegenstand aktueller wissenschaftlicher Diskussion auf höchster Fachebene. Im Februar 2026 veröffentlichte die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP) gemeinsam mit weiteren Fachverbänden eine umfangreiche Stellungnahme zur Nutzung digitaler Medien und psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die Ausarbeitung der Ad-hoc-Arbeitsgruppe Mediennutzung und psychische Gesundheit beleuchtet sowohl Risiken exzessiver Mediennutzung als auch die Chancen digitaler Angebote im therapeutischen und präventiven Kontext – und unterstreicht damit den wachsenden Stellenwert niedrigschwelliger, digital gestützter Versorgungsangebote für junge Menschen. Die vollständige Stellungnahme ist auf der Website der DGKJP abrufbar (Stand: Februar 2026).
In diesem Kontext gewinnen digitale Behandlungsansätze, insbesondere Online-Therapien, an Bedeutung. Die Verfügbarkeit von Serious Games, wie dem interaktiven Fantasy-Spiel »SPARX – Take Control«, Internetbasierte Interventionen mit Algorithmen zur Anpassung des Behandlungsprogramms an die individuelle Psychopathologie der Patient:innen und Psychotherapie per Video eröffnen neue Wege in der Kinder- und Jugendpsychotherapie. Wohingegen die Wirksamkeit der Online-Therapie für Erwachsene schon ausgezeichnet untersucht ist, muss im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie (KJP) etwas länger gegraben werden. Wir haben für Sie die interessantesten Informationen zur Wirksamkeit von Online-Therapien im KJP-Bereich zusammengefasst.
Wirksamkeit der Psychotherapie per Video bei psychischen Störungen von Kindern und Jugendlichen
Die videobasierte Psychotherapie für Kinder und Jugendliche bietet den Vorteil, dass die Therapie individuell an die Bedürfnisse der jungen Patient:innen angepasst werden kann. Selbst Expositionen können zu Hause durchgeführt und per Video von den behandelnden Psychotherapeut:innen begleitet werden.
Daten einer neuen Metaanalyse der Forschungsgruppe um Wirth et al. (2023) geben Einblicke in die Wirksamkeit der Videopsychotherapie mit Jugendlichen. Dabei wurden 12 randomisiert-kontrollierte Studien eingeschlossen, die eine Videopsychotherapie mit einer Kontrollbedingung verglichen. Die Ergebnisse der Metaanalyse waren eindeutig! Videopsychotherapie stellt eine effektive Behandlungsmethode für Jugendliche mit psychischen Störungen und deren Eltern dar. In dieser Metaanalyse zeigte sich, dass Videopsychotherapie genauso effektiv ist wie die persönliche Behandlung, wenn es darum geht, die Symptome der Kinder zu reduzieren und deren funktionale Beeinträchtigungen zu verbessern. Besonders wirksam stellte sich die Videotherapie bei Jugendlichen heraus, wenn es um die Behandlung internalisierender Störungen ging (im Vergleich zu externalisierenden und Tic-Störungen).
Wirksamkeit von IMI im Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie
Die Verfügbarkeit von Interventionen, die spezifisch auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen zugeschnitten sind, ist von entscheidender Bedeutung. Diese Anwendungen sind für eine Vielzahl von Störungsbildern konzipiert, einschließlich depressiver Störungen, Angststörungen, Verhaltensstörungen, Essstörungen, Zwangsstörungen, psychotischer Störungen, Tic-Störungen und hyperkinetische Störungen. Trotz dieser vielversprechenden Interventionsform gibt es im Vergleich zum Erwachsenenbereich im KJP-Bereich leider nur wenige Studien.
Domhardt et al. (2021) haben die wichtigsten Studien zur Wirksamkeit von IMI im KJP-Bereich zusammengestellt. Die Forschungsergebnisse dieser Studien unterstreichen die Wirksamkeit von Internetbasierten Interventionen (IMI) bei der Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Im Vergleich zu Wartelistenkontrollgruppen erzielen IMI tendenziell mittlere Effektstärken. Insbesondere in der Behandlung von depressiven Störungen wurden Effektstärken im Bereich von 0,16 bis 0,76 festgestellt, was trotz der großen Spannbreite auf vielversprechende Ergebnisse hinweist. Bei der Behandlung von Angststörungen reichten die Effektstärken von 0,30 bis 0,77, was ebenfalls eine positive Wirkung zeigt. Vor allem geleitete IMI erzielten gute Ergebnisse bei Kindern und Jugendlichen.
Im Bereich digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) für Erwachsene mit psychischen Erkrankungen gibt es bereits eine wachsende Auswahl an zugelassenen Anwendungen – von der Depressionsbehandlung bis zur Angststörung. Der kinder- und jugendpsychiatrische Bereich hinkte hier lange hinterher, was unter anderem auf die höheren regulatorischen Anforderungen bei Minderjährigen und die geringere Studienlage zurückzuführen ist. Doch das ändert sich: Im Sommer 2025 wurde mit hiToco® die erste DiGA für Kinder in Deutschland vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vorläufig zugelassen – als digitale Unterstützung für Kinder zwischen 4 und 11 Jahren mit ADHS. Das ist ein wichtiger Meilenstein, auch wenn das Angebot für andere Störungsbilder im KJP-Bereich noch deutlich ausbaufähig bleibt. Mit der schrittweisen Einführung der elektronischen DiGA-Verordnung per E-Rezept ab Anfang 2026 dürfte der Zugang zu solchen Anwendungen künftig weiter vereinfacht werden – und es ist davon auszugehen, dass weitere KJP-spezifische DiGA folgen werden.
Obwohl es bereits eine Menge DiGA im Bereich der psychischen Gesundheit für Erwachsene gibt, geht der KJP-Bereich noch leer aus. Das könnte daran liegen, dass weitere Wirksamkeitsstudien im Vergleich zu aktiven Kontrollgruppen und unter Routinebedingungen noch ausstehen. Dennoch liefern diese ersten Studien einen Einblick in die derzeitige metaanalytische Evidenz von IMI im Kindes- und Jugendalter, die auf vielversprechende Möglichkeiten zur Verbesserung der psychischen Gesundheit junger Menschen hinweist.
Wirksamkeit von Serious Games in der psychotherapeutischen Behandlung von Kindern und Jugendlichen
Serious Games sind interaktive Spiele, die primär nicht der Unterhaltung, sondern der Vermittlung von kognitiven Prozessen, Fertigkeiten oder Verhaltensweisen dienen. Dennoch sind es von Anfang bis Ende durchgeplante Spiele mit einer typischen Spielstruktur und -aufbau, anders als bei der Gamification, in der lediglich Teile spielerischer Elemente in Online-Programmen eingebaut werden. Daten einer Metaanalyse der Forschungsgruppe um David et al. (2020) geben Hinweise auf die tatsächliche Wirksamkeit von Serious Games in Hinblick auf die Vermittlung mentaler Gesundheit und gesundheitsbezogenen Verhaltensänderungen bei Kindern und Jugendlichen. Es wurden insgesamt 34 klinische, randomisiert kontrollierte Studien eingeschlossen. Es wurde ein kleiner signifikanter Effekt gefunden. Vor allem das Alter, die Anzahl der durchgeführten Sitzungen und die Dauer der Sitzungen des Spiels sowie die Qualität der jeweiligen Studie beeinflussten maßgeblich den Effekt. Jüngere Patient:innen, weniger und kürzere Sitzungen führten zu höheren Effektstärken. Auch Studien, die nicht entsprechend guter wissenschaftlicher Praxis Studienvorhaben durchführten, wiesen bessere Ergebnisse zugunsten von Serious Games auf.
Gruppentherapie per Video: Chancen auch im KJP-Bereich
Neben der Einzeltherapie per Video gewinnt auch die videobasierte Gruppentherapie zunehmend an Bedeutung – und bietet gerade für Kinder und Jugendliche interessante Potenziale. Gruppenformate ermöglichen es jungen Patient:innen, sich mit Gleichaltrigen in ähnlichen Lebenssituationen auszutauschen, soziale Kompetenzen zu üben und das Gefühl zu erleben, mit ihren Schwierigkeiten nicht allein zu sein. Seit Oktober 2021 ist die Gruppentherapie per Video sozialrechtlich über die gesetzliche Krankenversicherung abrechenbar – ein wichtiger Schritt für die flächendeckende Versorgung.
Die Forschungslage zur videobasierten Gruppentherapie ist insgesamt noch dünner als zur Einzeltherapie per Video. Erste Studien deuten jedoch auf eine gute Durchführbarkeit, hohe Patient:innenzufriedenheit und vergleichbare Ergebnisse zur Präsenzgruppentherapie hin – etwa bei der Behandlung von Depressionen, PTBS und Suchterkrankungen. Für den KJP-Bereich fehlen bislang spezifische randomisiert-kontrollierte Studien, doch die Evidenzlücke wird aktiv geschlossen: Das Forschungsprojekt VIP-GROUP (Videobasierte ambulante Psychotherapie in der psychotherapeutischen Versorgung – Gruppentherapie) untersucht aktuell die Wirksamkeit videobasierter Gruppentherapie zur Behandlung von Depressionen. Die multizentrische, randomisiert-kontrollierte Studie läuft unter der DRKS-ID DRKS00029916 und könnte mittelfristig auch als Vorlage für KJP-spezifische Gruppenformate dienen.
Systemische Therapie: Seit 2024 auch für Kinder und Jugendliche Kassenleistung
Ein wichtiger regulatorischer Meilenstein, der für die Online-Therapie mit Kindern und Jugendlichen besonders relevant ist: Seit dem 1. Juli 2024 können gesetzlich versicherte Kinder und Jugendliche in Deutschland Systemische Therapie als Kassenleistung in Anspruch nehmen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte den entsprechenden Beschluss zur Änderung der Psychotherapie-Richtlinie bereits im Januar 2024 gefasst, nachdem das Verfahren für Erwachsene seit dem 1. Januar 2020 etabliert war. Für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen öffnet das den Zugang für schätzungsweise rund 9,5 Millionen junge Patientinnen und Patienten zwischen 6 und 18 Jahren.
Besonders interessant aus Sicht der videobasierten Versorgung ist das sogenannte Mehrpersonensetting, das in der Systemischen Therapie explizit vorgesehen ist: Relevante Bezugspersonen – also etwa Eltern, aber auch Lehrkräfte oder Erzieherinnen und Erzieher – können aktiv in die Behandlung einbezogen werden. Dieses Setting geht damit über die übliche Bezugspersonenberatung anderer Verfahren hinaus. Gerade im Online-Format über Video bietet das Mehrpersonensetting einen praktischen Vorteil: Familienmitglieder müssen nicht denselben Ort aufsuchen, um gemeinsam an einer Sitzung teilzunehmen – ein niedrigschwelliger Zugang, der Familien mit logistischen Hürden wie weiten Anfahrtswegen oder Terminkonflikten besonders entgegenkommt.
Digitale Natives – Psychotherapie im gewohnten digitalen Umfeld
Dass Kinder und Jugendliche als „Digital Natives“ grundsätzlich offen für digitale Formate sind, ist eine plausible Annahme – aber inzwischen auch empirisch untermauert. Eine Studie der Uniklinik Köln (Meininger et al., 2022), die kognitive Verhaltenstherapie per Video in einer KJP-Ambulanz untersuchte, liefert konkrete Zahlen: Von 643 Patientinnen und Patienten im Alter von 3 bis 20 Jahren wechselten 73% erfolgreich in die Videotherapie. Sowohl Eltern als auch Therapeutinnen und Therapeuten berichteten mehrheitlich von stabiler Behandlungszufriedenheit – ohne signifikante Verschlechterung durch den Wechsel vom Präsenz- ins Videoformat. 66% der Eltern gaben an, Videotherapie auch künftig nutzen zu wollen.
Interessant ist dabei eine wichtige Nuancierung: Eltern bewerteten die Videotherapie tendenziell positiver als die Therapeutinnen und Therapeuten selbst – was die Autorinnen und Autoren unter anderem darauf zurückführen, dass organisatorische Hürden wie Anfahrtswege für Familien ein deutlich größeres Thema sind als für die Praxis. Für den KJP-Kontext bedeutet das: Die Akzeptanz von Online-Formaten ist nicht allein eine Frage der digitalen Affinität junger Patientinnen und Patienten, sondern auch ein handfester praktischer Vorteil für Familien mit hohem Alltags- und Koordinationsaufwand.
Klinische Studien belegen darüber hinaus, dass digitale Psychotherapie messbare Verbesserungen bewirkt und effektiver ist als Placebo- oder Wartelistenkontrollbedingungen. Die Integration digitaler Formate in die KJP-Versorgung ist daher kein Zugeständnis an einen Trend – sondern eine evidenzbasierte Antwort auf die Versorgungsrealität einer Generation, die das digitale Umfeld als selbstverständlichen Teil ihres Lebens begreift.
Chancen nutzen: Kindern und Jugendlichen psychotherapeutische Unterstützung bieten, die sie verdienen
Klar ist, digitale Psychotherapien für Kinder und Jugendliche sind umsetzbar und stellen eine vielversprechende Option zur Behandlung von Angststörungen und Depressionen dar. Die Psychotherapie per Video ermöglicht nicht nur klinisch relevante Verbesserungen in der Symptomatik, sondern passt sich auch nahtlos in den digitalen Lebensstil junger Menschen ein.
Evidenzlage im KJP-Bereich: Lückenhaft, aber im Aufholprozess
Die Forschungslage zur Online-Psychotherapie bei Kindern und Jugendlichen ist – verglichen mit der Erwachsenenpsychotherapie – noch deutlich schmaler. Das liegt unter anderem daran, dass klinische Studien mit Minderjährigen höhere ethische und organisatorische Anforderungen stellen und die Altersgruppe entwicklungspsychologisch heterogener ist: Ein 7-jähriges Kind bringt andere Voraussetzungen für eine Videositzung mit als ein 16-jähriger Jugendlicher. Bestehende Metaanalysen – darunter Wirth et al. (2023) – deuten zwar darauf hin, dass Videotherapie auch im KJP-Kontext wirksam sein kann, betonen aber gleichzeitig, dass die Zahl hochwertiger randomisierter Studien speziell für diese Altersgruppe noch begrenzt ist.
Diese Lücke wird jedoch aktiv adressiert. Am Deutschen Register Klinischer Studien ist seit 2025 unter der Kennnummer DRKS00033667 eine Studie registriert, die gezielt die Wirksamkeit videobasierter Behandlungen im kinder- und jugendpsychiatrischen Bereich untersucht. Solche Studien sind ein wichtiges Signal: Die Frage ist nicht mehr „ob“ Online-Therapie für Kinder und Jugendliche funktioniert, sondern zunehmend „für wen, bei welchen Störungsbildern und unter welchen Bedingungen“ – eine Differenzierung, die die Versorgungsqualität langfristig verbessern wird.
Die Integration von Videotherapie in die Kinder- und Jugendpsychotherapie trägt entscheidend dazu bei, Zugangsbarrieren zu überwinden und psychotherapeutische Unterstützung unabhängig vom Standort oder sozialem Hintergrund bereitzustellen. Die Forschung untermauert die Effektivität der Videotherapie, welche sowohl in Bezug auf die Zugänglichkeit als auch auf die Flexibilität traditionelle Methoden übertrifft.
Unsere Verantwortung liegt darin, jungen Menschen die bestmögliche Unterstützung anzubieten. Die stetige Weiterentwicklung und Evaluierung von digitalen Therapieansätzen, insbesondere der Videotherapie, ist dabei ein wesentlicher Schritt. Sie bietet nicht nur eine sofortige, sondern auch eine maßgeschneiderte und moderne Form der Psychotherapie, die optimal auf die Bedürfnisse und den Lebensstil der heutigen Jugend abgestimmt ist.
Stand des Artikels: 28. April 2026. Alle Angaben ohne Gewähr.
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Seit 2021 unterstütze ich Consularia als fachlich-psychologische Leiterin. Um den gleichen Dreh herum startete ich an der MEU – Studienzentrum der DIPLOMA Hochschule als wissenschaftliche Mitarbeiterin und als Dozentin für Differentielle und Persönlichkeitspsychologie. Aktuell forsche ich an videobasierter Gruppenpsychotherapie zur Behandlung von Depression.






