Die Videosprechstunde hat sich in der ambulanten Versorgung längst von einer Notlösung zu einem eigenständigen Versorgungsformat entwickelt. Für viele Praxen und Einrichtungen ist sie heute ein fester Bestandteil des Alltags – nicht weil es eine Pflicht wäre, sondern weil sie echte Vorteile bringt: für die eigene Praxisorganisation, für die Qualität der Behandlung und für die wirtschaftliche Stabilität. Dieser Artikel zeigt, welchen Nutzen Behandler:innen verschiedener Fachrichtungen aus der Videosprechstunde ziehen können – und welche Aspekte für jede Berufsgruppe ganz besonders relevant sind.
Inhaltsverzeichnis
- Was alle Fachrichtungen verbindet
- Psychotherapeut:innen
- Allgemeinmediziner:innen
- Ergotherapeut:innen
- Logopäd:innen
- Hebammen
- Physiotherapeut:innen
- Ambulante Pflegedienste & -heime
- Oecotropholog:innen
- Diabetolog:innen
- Zahnmediziner:innen und Kieferchirurg:innen
- Radiolog:innen
- Orthopäd:innen
- Sexualtherapeut:innen
- Heilpraktiker:innen
- Fazit
Was alle Fachrichtungen verbindet
Bevor wir uns den Besonderheiten einzelner Berufsgruppen zuwenden lohnt sich ein allgemeiner Blick auf die Vorteile, die für nahezu alle Behandler:innen gleich gelten – also wahrscheinlich auch für Sie, völlig unabhängig von Ihrer Fachrichtung und Ihrem Praxismodell. Dabei schicke ich sicherheitshalber voraus, dass die Videosprechstunde nicht als Ersatz für die körperliche Behandlung gedacht ist. Die Videosprechstunde ist eine Ergänzung für Situationen, in denen es eigentlich ganz egal ist, ob Ihr:e Patient:in im selben Raum wie Sie ist. Was Sie telefonisch erledigen können, geht eben auch per Videosprechstunde – nur eben mit mehr Sinneseindrücken. So kann Ihr:e Patient:in sogar aus dem Urlaub oder während einer Dienstreise Ihren fachlichen Rat einholen.
Mehr Flexibilität in der Terminplanung. Videosprechstunden lassen sich oft kurzfristiger ansetzen, leichter umstrukturieren und in Randzeiten anbieten, die für Präsenztermine unpraktisch wären. Das entlastet Ihren Kalender, ohne die Versorgung zu unterbrechen.
Weniger Terminausfälle. Die Bereitschaft, einen Termin wahrzunehmen, ist bei niedrigschwelligem Online-Zugang deutlich höher. Erkältungen, ein defektes Auto oder schlechtes Wetter führen auf diese Weise seltener zu kurzfristigen Absagen – das ist ein spürbarer, wirtschaftlicher Effekt, der sich besonders bei hohen Behandlungsfrequenzen bemerkbar macht.
Erweitertes Einzugsgebiet. Besonders dann, wenn Sie in Ihrer Region damit zu kämpfen haben, dass die medizinische oder therapeutische Versorgung gesichert werden kann, helfen Videosprechstunden. Dadurch, dass Sie diese anbieten, erweitern Sie den lokalen Einzugsbereich Ihrer Praxis – oder Sie kommen Patient:innen mit eingeschränkter Mobilität oder aus ländlichen Gebieten gezielt entgegen.
Zeitgewinn durch entfallende Wegzeiten. Gerade dann, wenn Sie in einem Berufsfeld arbeiten, in dem Hausbesuche oder Ortswechsel üblich sind, entsteht für Sie durch Videoformate ein erheblicher Zeitpuffer. Diese gewonnene Zeit können Sie dann für mehr Behandlungen, für Dokumentation oder einfach für einen entspannteren Praxisalltag nutzen.
Klare Rechtslage und Abrechnungssicherheit. Wenn Sie mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechnen wollen, müssen Sie eine zertifizierte Videosprechstunde wie Consularia Live einsetzen. Anders als amerikanische Videokonferenztools wie zum Beispiel Zoom, Teams oder Google Meet können nur zertifizierte Videodienstanbieter die erforderlichen erhöhten Sicherheitsstandards und Datenschutzanforderungen nachweisen und damit die reguläre Kassenabrechnung ermöglichen. Aber auch wenn Sie ausschließlich Privatpatient:innen oder Selbstzahler:innen behandeln, profitieren Sie von der zertifizierten IT-Sicherheit und DSGVO-Konformität von Consularia Live.
DSGVO-Konformität und Sicherheit ohne eigenen IT-Aufwand. Sensible Gesundheitsdaten unterliegen laut Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) einem besonderen Schutz. Zertifizierte Videoplattformen wie Consularia Live übernehmen diesen Teil der technischen Verantwortung – Sie als Behandler:in müssen sich darum nicht selbst um Verschlüsselung, Serverhaltung oder Datenschutzdokumentation kümmern. Auch der IT-Aufwand, der in Ihrer Praxis anfällt, ist minimal – im Idalfall müssen Sie keine App installieren und pflegen, sondern benötigen lediglich einen aktuellen Internetbrowser.
Kein Installationsaufwand für Patient:innen. Das Gleiche gilt dann auch für Ihre Patient:innen: Lediglich ein aktueller Browser ist nötig. Sie müssen keine App installieren, sie müssen sich nicht registrieren. Das senkt die technische Hürde auf beiden Seiten erheblich und spart Erkläraufwand vor dem ersten Termin. So kommt es, dass auch ältere Patient:innen hervorragend mit Consularia Live klarkommen.
Teamverwaltung für Praxisgemeinschaften. Praxen mit mehreren Behandler:innen profitieren von Lösungen, die eine gemeinschaftliche Verwaltung mehrerer Nutzer:innen-Accounts ermöglichen. So können etwa Assistenzkräfte die Terminverwaltung und Patient:innendaten übernehmen, während die eigentlichen Videosprechstunden ausschließlich den zugelassenen Behandler:innen vorbehalten bleiben.
Psychotherapeut:innen
Für Psychotherapeut:innen war die Videosprechstunde historisch gesehen der erste Bereich, in dem Fernbehandlung im deutschen GKV-System systematisch ermöglicht wurde – zunächst ab Oktober 2019 für Einzel-Kurz- und Langzeittherapien. Seit Januar 2025 dürfen sogar die Psychotherapeutische Sprechstunde und probatorische Sitzungen per Video durchgeführt werden, was den Einstieg in die Behandlung erheblich erleichtert. Obwohl mindestens 50 Minuten in Präsenz stattfinden sollen, ist eine vollständige Videodurchführung in begründeten Ausnahmefällen möglich (z.B. auf Wunsch Ihrer Patient:in oder wegen gesundheitlicher Gründe).
Der besondere Vorteil für Ihre Praxis liegt in der therapeutischen Kontinuität: Dort, wo Sprache und Beziehung das zentrale Medium sind, lässt sich die therapeutische Arbeit per Video weitgehend ohne Qualitätsverlust fortführen. Erkrankte Patient:innen, Menschen mit Angststörungen oder Personen mit weitem Anfahrtsweg erhalten dadurch Zugang zur Behandlung, der andernfalls schlicht nicht entstünde. Besonders eindrücklich ist der Nutzen in der Gruppenpsychotherapie: Mit einer für Gruppenformate ausgelegten Plattform wie Consularia Live können bis zu acht Patient:innen gleichzeitig in einer Sitzung behandelt werden – ohne die aufwändige Suche nach geeigneten Praxisräumen und ohne die bei Präsenzterminen typischen Koordinationsprobleme. Automatisierte Einladungen, Breakout-Räume für Kleingruppenarbeit und eine stabile Verbindung auch bei mehreren Teilnehmenden machen das Gruppenformat online sogar organisatorisch einfacher als in der Praxis. Hinzu kommt der Technikzuschlag (GOP 01450), der die Kosten für die Videoplattform anteilig kompensiert. Und die Gleichwertigkeit von Online-Behandlungen zu Präsenzbehandlungen ist wissenschaftlich gut belegt.
Allgemeinmediziner:innen
Hausarztpraxen stehen unter einem doppelten Druck: hohem Versorgungsvolumen und wachsendem Fachkräftemangel. Die Videosprechstunde hilft, beides abzupuffern. Routineaufgaben – Laborergebnisse besprechen, Folgerezepte ausstellen, Medikation anpassen, Krankschreibungen verlängern – lassen sich ohne Präsenztermin erledigen und entlasten damit Ihr Wartezimmer und Ihre Mitarbeiter:innen am Empfang spürbar.
Dass die Videosprechstunde für Hausarztpraxen inzwischen auch strategisch relevant ist, zeigt die Reform der Vorhaltepauschale zum 1. Januar 2026: Das Angebot einer Videosprechstunde ist seither eines von zehn Zuschlagskriterien, die über die Höhe des zusätzlichen Vergütungszuschlags entscheiden. Wenn Sie die Videosprechstunde also sinnvoll in Ihren Praxisalltag integrieren, verbessern Sie nicht nur die Effizienz der Arbeitsabläufe, sondern stärken auch Ihre Vergütungsposition gegenüber den Kassen. Der konkrete Mehrwert zeigt sich vor allem bei chronisch kranken Patient:innen mit regelmäßigem Betreuungsbedarf: Diabetes, Hypertonie, COPD – all das können Sie mit regelmäßigen kurzen Videokontakten engmaschig begleiten, ohne dass jeder Termin gleich einen Stuhlplatz in der Praxis belegt.
Ergotherapeut:innen
Seit Oktober 2022 ist die Videotherapie fester Bestandteil des GKV-Rahmenvertrags Ergotherapie und damit Teil der Regelversorgung. Bis zu 30 Prozent der Behandlungseinheiten pro Quartal können als telemedizinische Leistung erbracht und abgerechnet werden – ein Spielraum, der sich für viele Praxen erheblich auszahlt.
Das spezifische Potenzial liegt im ADL-Training (Activities of Daily Living): Wenn Sie als Ergotherapeut:in Ihre Patient:innen in der eigenen häuslichen Umgebung beobachten, ergibt sich ein realistischeres Bild von deren tatsächlichen Fähigkeiten und Einschränkungen als in den oftmals klinisch eingerichteten Therapieräumen. Eine Küche in der Praxis entspricht selten der Küche zu Hause. Per Video hingegen können Sie direkt am realen Ort arbeiten – Übungen können auf vorhandene Alltagsgegenstände und Raumverhältnisse abgestimmt werden, pflegende Angehörige können ohne zusätzliche Anfahrt eingebunden werden, und das Training wirkt authentischer. Gleichzeitig schont das Format Ihre Praxiskapazitäten: Kurze Videokontrolltermine entlasten den Praxiskalender und ermöglichen eine höhere Behandlungsfrequenz ohne zusätzliche Raumressourcen.
Logopäd:innen
In der Logopädie ist die Videotherapie seit September 2022 über eine Übergangsvereinbarung wieder möglich und Teil der GKV-Regelversorgung – bis zu 30 Prozent der Jahresbehandlungen pro zugelassene:r Leistungserbringer:in dürfen als telemedizinische Leistung erbracht werden. Inhaltlich eignen sich Sprachtherapie, Stimmtherapie, Sprechtherapie, Beratungsgespräche und Verlaufskontrollen besonders gut für das Videoformat. Dabei ist besonders wichtig, dass Sie sich für eine in Bild- und Tonqualität hochwertige Videosprechstunde entscheiden, deren Latenz (die Laufzeiten von Signalen zwischen Sender:in und Empfänger:in) möglichst gering und bei der Audio und Ton synchron ist.
Der entscheidende Vorteil für Logopäd:innen liegt in der Möglichkeit, hochfrequente Behandlungen aufrechtzuerhalten, ohne dass organisatorische Hürden auf beiden Seiten die Therapie gefährden. Gerade bei Erkrankungsbildern, die intensive und regelmäßige Intervention erfordern – etwa Aphasien oder Stimmstörungen – zeigte Forschung, dass Teletherapie bei geeigneten Patient:innen vergleichbare Therapieerfolge erzielen kann wie klassische Präsenzbehandlungen. Für Sie als Therapeut:in bedeutet das: Therapieunterbrechungen wegen Anfahrtsproblemen, Infekten oder logistischen Schwierigkeiten lassen sich deutlich reduzieren, die Behandlungskontinuität bleibt gewahrt, und das ohne die übliche Praxisinfrastruktur zu belasten.
Hebammen
Hebammen waren eine der ersten Berufsgruppen außerhalb der ärztlichen Versorgung, die systematisch von der Videosprechstunde profitierten. Bereits seit 2020 ist die videobasierte Betreuung Teil der GKV-Regelversorgung. Kurse zur Geburtsvorbereitung, Rückbildungsgymnastik, Stillberatung und allgemeine Beratungsgespräche lassen sich per Video durchführen und mit den Kassen abrechnen – im Fünf-Minuten-Takt und pro Teilnehmerin.
Für freiberufliche Hebammen sind Videokurse ökonomisch besonders attraktiv: Teure Kursraummieten entfallen, Sie sparen sich lästige Fahrtzeiten im Berufsverkehr zum Veranstaltungsort, und die damit gewonnene Zeit ermöglicht Ihnen die Betreuung einer deutlich größeren Zahl von Frauen – und das sogar bundesweit statt nur lokal. Wenn Sie mit einer zertifizierten Plattform wie Consularia Live arbeiten, können Sie dabei auch technisch kreativ werden: Hebammen, die mit mehreren Kameraperspektiven arbeiten, können Übungen sowohl aus der Nahaufnahme als auch in der Ganzkörperansicht demonstrieren und ihren Kursen damit eine professionelle Qualität geben, die klassische Präsenzformate oft nicht erreichen. Die Möglichkeit, Gruppen mit bis zu mehreren Dutzend Teilnehmenden zu betreuen, macht das Format zudem besonders skalierbar. Wir haben unter diesem Link eine Ideenliste für Online-Kurse, die unsere Kund:innen in ihrer Praxis als Hebammen mit Consularia Live anbieten.
Physiotherapeut:innen
Physiotherapie per Video funktioniert vor allem dort besonders gut, wo Anleitung, Kontrolle und Korrektur im Vordergrund stehen und kein manueller Kontakt erforderlich ist (logisch). Heimübungsprogramme kontrollieren, Bewegungsabläufe korrigieren, Therapieziele besprechen: All das können Sie per Video so durchführen, dass Sie Ihre Patient:innen in der eigenen häuslichen Umgebung sehen und Übungen direkt auf die dort vorhandenen Möglichkeiten abstimmen.
Besonders relevant ist der Einsatz bei langwierigen Reha-Verläufen: Zwischentermine zur Fortschrittskontrolle per Video entlasten Ihren Kalender erheblich und Präsenztermine bleiben damit dem vorbehalten, was wirklich körperliche Anwesenheit erfordert. Schon seit dem 1. April 2022 ist Krankengymnastik mit bis zu 50% der verordneten Einheiten per Video abrechenbar, was die wachsende Bedeutung auch in diesem therapeutischen Gebiet unterstreicht.
Ambulante Pflegedienste & -heime
Für ambulante Pflegedienste und stationäre Pflegeeinrichtungen eröffnet die Videosprechstunde eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Pflege und Medizin. Videofallkonferenzen mit dem betreuenden Hausarzt oder der Hausärztin (GOP 01442, seit Oktober 2019 abrechnungsfähig) ermöglichen es, Pflegedokumentation strukturiert zu übergeben, Wundbilder live per Kamera zu zeigen und Behandlungsentscheidungen ohne Hausbesuch zu koordinieren. Das gute alte Fax und die störanfällige Telefonkette können Sie so durch einen direkten visuellen Kanal ersetzen.
Seit April 2025 ergänzt die neue GOP 01443 dieses Spektrum um ein weiteres, wichtiges Instrument: Ärzt:innen können Videofallbesprechungen mit Pflegefachkräften bei der Betreuung chronisch pflegebedürftiger Demenzpatient:innen gesondert abrechnen – bis zu dreimal pro Krankheitsfall, außerhalb des regulären Budgets. Das gibt Pflegediensten und Praxen gleichermaßen Planungssicherheit und stärkt die interdisziplinäre Versorgungsqualität ohne zusätzlichen logistischen Aufwand.
Und noch etwas: Als stationäre Pflegeeinrichtung können Sie entfernt lebenden Angehörigen eine Videoverbindung zu ihren Angehörigen ermöglichen. Zum Beispiel dann, wenn ein rechtzeitiges Erscheinen schlicht nicht mehr möglich sein wird. 🕯️
Oecotropholog:innen
Ernährungsberatung per Video bietet Oecotropholog:innen eine Möglichkeit, die in der klassischen Praxissituation schlicht nicht verfügbar ist: den Blick in die echte Lebensumgebung der Klient:innen. Wenn jemand per Video den eigenen Kühlschrank öffnet, den Vorratschrank zeigt oder die Mahlzeit direkt nach der Zubereitung zeigt, ergibt sich ein weit realistischeres Ernährungsbild, als es in Ihrem Beratungszimmer möglich wäre.
Für die Abrechnung gilt seit April 2022: Bis zu 50 Prozent der Leistungen in der GKV-Ernährungstherapie können nach der Erstanamnese per Video erbracht werden. Zudem können Sie ZPP-zertifizierte Präventionskurse nach § 20 SGB V gruppenbasiert und standortunabhängig durchführen – ohne Raumkapazitätsgrenzen, mit Erstattungsanspruch der Kassen und einer deutlich größeren potenziellen Gruppe.
Diabetolog:innen
In der Diabetologie trifft die Videosprechstunde auf eine Behandlungsrealität, die für digitale Formate wie gemacht ist: Viele Patient:innen nutzen bereits digitale Geräte zur Glukosemessung, deren Daten in Herstellerplattformen gespeichert werden. Die Besprechung dieser Daten, die Anpassung der Insulindosis oder die Verordnung von Verbrauchsmaterialien erfordern in diesen Fällen keine körperliche Anwesenheit – das können Sie per Video effizient und vollständig dokumentiert abwickeln.
Das Ergebnis: weniger Terminstau für Routinekontakte, mehr Kapazität für komplexe Neueinstellungen, und eine engmaschige Begleitung chronisch kranker Patient:innen, die sonst schlicht nicht realisierbar wäre. Auch können Sie Diabetes-Schulungsprogramme als gruppenbasierte Videoformate skalieren – ohne eigene Schulungsräume vorhalten zu müssen.
Zahnmediziner:innen und Kieferchirurg:innen
In der Zahnmedizin ist die Videosprechstunde natürlich nicht als Ersatz für die Behandlung am Stuhl gedacht, sondern als strategische Entlastung rund um den eigentlichen Eingriff. Präoperative Aufklärungsgespräche, die Besprechung von Heil- und Kostenplänen oder das Teilen von Röntgenbildern lassen sich aus der Stuhlzeit auslagern: Die Behandlungszeit wird damit für das genutzt, was wirklich Praxisausstattung erfordert.
Postoperativ ermöglicht die Videosprechstunde im Verlauf oftmals Wundkontrollen nach einer Extraktion oder einem kieferchirurgischem Eingriff, ohne dass Ihre Patient:in eigens in die Praxis kommen müssen. Komplikationen können Sie früh erkennen, Notfallkapazitäten entlasten und die Nachsorgequalität verbessern. Besonders praktisch ist das für Praxen, die auch Pflegeheime betreuen: Videofallkonferenzen nach § 119b SGB V ermöglichen eine abrechenbare Fallbesprechung mit dem Pflegepersonal, ohne einen Hausbesuch des Zahnarztes oder der Zahnärztin.
Ach so: Auch Angstpatient:innen können Sie per Videosprechstunde schon vor dem ersten Termin betreuen – ohne dass Sie diese mit grellem Licht, dem Behandlungsstuhl und vor allem Ihrem furchteinflößenden Instrumentarium konfrontieren müssen.
Radiolog:innen
Für Radiolog:innen gilt eine wichtige Einschränkung: Sie sind – gemeinsam mit Laborärzt:innen und Patholog:innen – nach aktuell gültiger Rechtslage von der GKV-Videosprechstunde ausgeschlossen. Aber natürlich können Sie eine zertifizierte Videosprechstunde für privatärztliche Befundbesprechungen und interdisziplinäre Telekonsile rechtlich zulässig nutzen – und das DSGVO-konform und sicher.
Der Mehrwert liegt hier vor allem im direkten Kontakt zum zuweisenden Kollegium: So können Sie MRT-, CT- oder Röntgenbefunde per Screensharing gemeinsam betrachten und diskutieren – das beschleunigt Therapieentscheidungen und stärkt die Zuweiserbindung. Für Patient:innen im Privatbereich bietet die Befundbesprechung per Video eine eigenständige, abrechenbare Leistung, die als Differenzierungsmerkmal gegenüber reiner Befundübermittlung wirken kann. Zweitmeinungen auf Basis bereits vorliegender Bildgebung lassen sich ortsunabhängig anbieten und erschließen damit einen Erlösstrom außerhalb der GKV.
Orthopäd:innen
Für orthopädische Praxen ist die Videosprechstunde ein wirksames Instrument, um die eigene Behandlungskapazität gezielt zu steuern. Verlaufskontrollen nach konservativer Therapie – Bewegungsumfang beurteilen, Gangbild beobachten, Folgeverordnungen für Heilmittel ausstellen – lassen sich per Video abwickeln, ohne einen Stuhlplatz zu belegen. Dieser Platz steht dann für Erstuntersuchungen und invasive Leistungen zur Verfügung, die körperliche Anwesenheit zwingend erfordern.
Präoperative Aufklärungsgespräche per Video sind nach § 630e Abs. 2 BGB und der Musterberufsordnung ausdrücklich zulässig. Bilaterale Röntgenbilder und OP-Pläne können per Screensharing geteilt und besprochen werden, was die Wartezeit am OP-Tag verkürzt und die Qualität des Gesprächs häufig sogar verbessert – in ruhigerer Atmosphäre und ohne Zeitdruck im Operationsvorbereitungsraum.
Sexualtherapeut:innen
Sexualtherapie ist ein Fachbereich, in dem das Videoformat ganz spezifische Schutzfunktionen erfüllt. Die räumliche Distanz kann für viele Ratsuchende die entscheidende Voraussetzung sein, über intime Themen überhaupt sprechen zu können – die Hemmschwelle sinkt, die Bereitschaft zur Terminwahrnehmung steigt. Paare, die sich aus beruflichen oder familiären Gründen vorübergehend an verschiedenen Orten befinden, können trotzdem gemeinsam an Paar- oder Sexualtherapie teilnehmen.
Der Vorteil für die Praxis: Das Einzugsgebiet ist nicht mehr geografisch begrenzt. Patient:innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum können betreut werden, der Terminplan lässt sich deutlich voller führen, und die Adhärenz – also die Verbindlichkeit, mit der Patient:innen die Therapie fortsetzen – ist bei kontinuierlicher Video-Begleitung nachweislich höher. Für die Plattformwahl gilt hier besonders: DSGVO-konforme Lösungen mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sind nicht nur empfohlen, sondern rechtlich geboten.
Heilpraktiker:innen
Heilpraktiker:innen genießen bei der Fernbehandlung mehr Spielraum als der ärztliche Bereich: Die berufsrechtlichen Einschränkungen der Ärztekammern gelten für Sie nicht. Anamnese, Beratungsgespräche und Verlaufskontrollen sind ohne die GKV-spezifischen Obergrenzen möglich. Wenn Sie mit Naturheilkunde-Protokollen, Mikronährstoffen oder Phytotherapie arbeiten, können Sie Therapieanpassungen auf Basis digital übermittelter Laborwerte direkt im Video besprechen, ohne dass Ihre Patient:innen extra in die Praxis kommen müssen.
Besonders interessant ist das Format für Angebote, die ohnehin keinen Körperkontakt erfordern: EFT, Kinesiologie oder coachingbasierte Methoden lassen sich per Video vollständig durchführen. Das eröffnet den Weg in eine überregionale, teils internationale Klientel im deutschsprachigen Raum – und verringert gleichzeitig den Bedarf an aufwändiger Praxisinfrastruktur.
Fazit
Die Videosprechstunde ist natürlich kein Einheitswerkzeug. Sie entfaltet ihren Nutzen dann am stärksten, wenn Sie sie gezielt für die Aufgaben einsetzen, die in der jeweiligen Fachrichtung tatsächlich ohne physische Anwesenheit auskommen – und die mit Präsenzterminen konkurrieren würden, die sie nicht brauchen. Die Grundlage dafür ist eine zertifizierte, rechts- und datenschutzkonforme Plattform, die sich in den Praxisalltag einfügt, statt ihn zu komplizieren. Wenn Sie diesen Schritt gehen, gewinnen Sie in nahezu jeder Fachrichtung dasselbe: mehr Steuerungsmöglichkeit über die eigene Zeit, mehr Versorgungsbreite – und einen Praxisalltag, der etwas ruhiger wird.

Bis 2006 war ich Führungskraft im Marketing eines internationalen Finanzvertriebs. Zwischen 2007 und 2023 war ich als Kommunikationsberater mit Schwerpunkt Online-Marketing und Social Media tätig. Außerdem bin ich Autor der beiden Fachbücher »Social-Media-Marketing für Dummies« und »Wirkungsvoll fürs Web texten für Dummies«, die im Buchhandel erhältlich sind. Seit Ende 2023 verstärke ich die Consularia GmbH als Leiter des Marketings.






